WEDEL-SCHULAUER TAGEBLATT  10.07.2012


 "Das Schiff aufs Wasser setzen"

   vom 10. Juli 2012 von Petra Burggraf  - Wedel-Schulauer Tageblatt

WEDEL | "Man braucht vor allem eindrucksvolle Motive", meint Rita Basios, die seit fast vier Jahrzehnten einen kleinen Gastronomiebetrieb in Wedel leitet und erst vor knapp drei Jahren zum Malen gekommen ist. Ideen findet sie leicht entlang der Elbe oder im Hamburger Hafen. Dann zoomt sie sich die vorbeiziehenden Schiffe heran und nimmt die Fotos später als Vorlage - wegen der Perspektive und der Proportionen.

Rita Basios malt aber nicht eins zu eins, sondern interpretiert, deutet, verändert, bringt ihre Sichtweise und Empfindungen hinein. Was herauskommt, sind stimmungsvolle Bilder, die eine enorme Wirkung hinterlassen und trotzdem recht detailgetreu sind. Mal spürt man die Leichtigkeit eines Segelbootes, dann wieder die Schwere eines Frachtschiffes. Und oft hat man den Eindruck, die Schiffe fahren direkt auf einen zu. Wer dann die wuchtigen Kräne sieht, meint gleichzeitig auch das Hämmern der Hafenarbeiter zu hören oder das dumpfe Bollern beim Verladen der einzelnen Container.

Bunte Beach-Party-Szenen oder grelle Farben sind ihr Ding nicht. Bei Rita Basios findet sich zwar auch mal ein Rot oder Gelb-Orange auf den Acryl-Bildern, aber meist bevorzugt sie Blau-, Grün- oder Grautöne, um die realistische Arbeitswelt der Seeleute darzustellen. Die sind es schließlich auch, die sie schon immer inspiriert haben.

Da war zunächst einmal der Großvater, ein Leuchtturmwärter, bei dem sie als Kind ihre Schulferien verbracht hat. Dann war sie stets mit im Hamburger Hafen, wenn die männlichen Familienmitglieder von See zurückkamen. Und seitdem sie nun mit einem ehemaligen Kapitän liiert ist, aus Spaß sein damaliges Schiff gezeichnet hat und durch Hanne Fritz von "exquisit wohnen" immer wieder ermuntert wurde, hat sie ihr Talent kontinuierlich weiterentwickelt. Doch das A und O ist die Perspektive. Wenn Höhe oder Breite zur Länge des Schiffes nicht korrekt sind, die Abstände zu kurz oder die Kräne im Hintergrund zu lang oder der Leuchtturm schief, dann hat man als Betrachter den Eindruck, dass etwas stört.

Daher kommt es durchaus vor, dass die Malerin ein weniger aufwändiges Bild zwar relativ schnell fertig hat, dann aber doch noch Tage braucht, um es auf sich wirken zu lassen oder um gegebenenfalls Abänderungen vorzunehmen. Denn letztendlich, so ihre Devise, "muss alles stimmig sein".

Dass dem so ist, bestätigen ihr die - meist männlichen - Interessierten. Man sieht sie dann vor ihren Bildern stehen, ganz nah, den Oberkörper nach vorne gebeugt, manchmal die Brille in der Hand, aber immer den kritischen Blick fest auf eines der Schiffe gerichtet. Nach einer Weile wird dann wieder eine entspannte Körperhaltung eingenommen. Es folgt dann in der Regel ein zufriedenes Kopfnicken

oder ein zustimmendes Brummen - Ausdruck dafür, dass wohl kein wichtiges Detail fehlt und auch sonst nichts zu beanstanden ist.

Die großformatigen Bilder sprechen an, haben diesen "Wiedererkennungseffekt" - vor allem, wenn es sich um bekannte Kreuzfahrtschiffe handelt oder sonstige Ozeanriesen, Frachter, Lotsenboote oder auch einfach nur um eine typische Szene an der Elbe. Das scheint sich mittlerweile auch jenseits der Grenzen Wedels herumgesprochen zu haben. Vor allem Verantwortliche aus der Hamburger Schiffsbranche bekunden immer öfter ihr Interesse. So mancher hat auch schon "einen Basios" bei sich im Büro hängen.

von Petra Burggraf 

erstellt am 10.Jul.2012

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